Rattenfänger in Hameln
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Die Stadt Hameln liegt in Niedersachsen und zählt mit seinen über 56.000 Einwohnern und einer Fläche von rund 102,33 km² zu einer der großen Städte der Region. Zur Gemeinde selbst zählt neben der Altstadt weitere 13 Stadtteile, die sich zum großen Teil, soweit es geht, harmonisch in die Landschaft integrieren. Warum die Stadt immer wieder im Zusammenhang mit einem Rattenfänger genannt wird und wie diese Sage ausging, wird später noch in diesem Artikel erläutert.

Die Lage der Stadt

Südwestlich von Hannover fast mittig zwischen Herford und Hildesheim liegt die Stadt Hameln inmitten des imposanten Naturparks Weserbergland Schaumburg-Hameln. Dieser wurde 1975 gegründet und umfasst rund 1000 km² vom östlichen Wesergebirge bis hin zum Osterwald und dem Ith, ein etwa 439 m ü. NHN hoher Mittelgebirgszug.

Der sogenannte Hausberg von Hameln befindet sich gleich vor den Toren der Stadt. Als Touristenmagnet erlaubt er einen fantastischen Blick über die Region und die berühmte deutsche Stadt.

Entstehung und Bauweise der Hamelner Innenstadt

Die ältesten Spuren menschlichen Vorhandenseins auf dem heutigen Gebiet der Stadt lassen sich bis in die Steinzeit zurückverfolgen. Wobei jedoch unklar ist, wann sich erstmalig eine eigentliche dörfliche Gemeinde an diesem Platz letztendlich angesiedelt hat. Bekannt ist jedoch, dass ungefähr um das Jahr 851 ein Benediktinerkloster entstand und die Siedlung erstmalig als „Hameloa“ oder „Hamela“ bezeichnet wurde.

Die ersten urkundlichen Aufzeichnungen als Stadt stammen aus den Jahren 1054 und 1074.

Ein Großteil der Hamelner Innenstadt besteht aus prachtvollen Stein- und Fachwerkhäusern, von denen die meisten aus der Renaissance stammt. Einer Kulturepoche am Ende des Mittelalters zwischen dem 15. und 17. Jahrhunderts, welches sich durch seine innovativen Architekturen, Malereien und künstlerische Skulpturen auszeichnet. Es entstanden große Bauten, bei denen sich klare und überschaubare Linien abzeichneten, die harmonisch ausgewogen entwickelt wurden. Vielerorts wurden Säulen in die Bauwerke integriert.

Sehenswerte Bauwerke der Stadt Hameln

Das Aussehen der Altstadt wird geprägt von imposanten Bauten, welches jedes für sich einen Besuch wert ist. Kein Wunder also, dass sich die Stadt Hameln jedes Jahr unzähliger Touristen und Besucher erfreut.

Nennenswert sind unter anderem:

  • Das Bürgerhus, welches im Jahr 1560 entstand
  • Das Stiftsherrenhaus aus dem Jahr 1558 mit seinem reichen Figurenschmuck an den Konsolen des Fachwerks.
  • Das Hochzeitshaus, ein imposantes und monumentales Festhaus, welches 1610-1617 erbaut wurde. 5x am Tag ertönt von seinem Dach ein Glockenspiel mit einem sehenswerten Figurenumlauf.
  • Die evangelische Marktkirche St. Nicolai von 1200, die 1945 zerstört und in den Jahren 1957-1959 wiederaufgebaut wurde. Bei der Restauration kamen romanische und gotische Teile zum Wiedereinsatz. Im Innern jedoch wurde die Kirche modern ausgestattet.
  • Der Garnisonfriedhof von Hameln mit seinem historischen Friedhof, auf dem ausschließlich hochrangige Militärangehörige bestattet wurden.
  • Das mehrstöckige Rattenfängerhaus mit seinem reichlich verzierten Giebel im Stil der Renaissance aus dem Jahr 1603, eines der berühmten Wahrzeichen der Stadt.

Die Sage vom Rattenfänger von Hameln

Der Name Hameln ist vielen Deutschen durch die Sagenwelt bekannt. Denn die Geschichte des Rattenfängers von Hameln kannte in der Vergangenheit zumindest fast jedes Kind. Dieser soll im Jahr 1284 gelebt haben und von den Stadtvätern angestellt, um, wie der Name schon sagt, zur Ungezieferbekämpfung eingesetzt worden sein.

Zu dieser Zeit wurde die Stadt nämlich von einer großen Mäuse- und Rattenplage heimgesucht. Diese drohten nicht nur Krankheiten zu übertragen. Das Ungeziefer machte sich auch an den Vorräten der Stadt zu schaffen. Dadurch drohte eine Hungersnot, die viele Opfer gefordert hätte.

Eines Tages kam nun ein wundersamer Mann in die Stadt. Er war fremdländisch gekleidet, mit bunten Stoffen. Daraufhin sollte er den Namen Bundting angesprochen worden sein. Er sprach bei den Ratsherren vor und versprach, die Stadt von der Ungezieferplage zu befreien. Die reichen Adelsherren wurden mit ihm einig und vereinbarten einen angemessenen Preis für seine Arbeit. Man wurde sich einig und der Fremde zog eine Pfeife aus der Tasche. Er begab sich auf die Straße und begann eine wundersame Melodie zu spielen.

Seine Arbeit verrichtete er zu voller Zufriedenheit der Bürger. Nach kurzer Zeit waren alle Ratten aus der Stadt verschwunden. Der Rattenfänger erreichte dies durch sein einzigartiges Spiel mit seiner Flöte. Er lief durch die Straßen und Gassen der Stadt und spielte dabei sein Instrument. Die Musik hörte sich unwiderstehlich für alle Ratten und Mäuse an. Sie steckten neugierig ihre Köpfe aus den Verstecken und folgten dem Rattenfänger auf seinem Spaziergang durch die Gassen. Sobald alle Tiere dem Flötenspieler folgten, begab dieser sich, immer weiterspielend, raus aus der Stadt und bis an das Ufer der Weser. Die Ratten und Mäuse folgten ihn alle. Am Ufer angekommen entkleidete sich der Fremde und stieg Flöte spielend in den Fluss. Alle Nager folgten ihm und ertranken in den Fluten. Die Rattenplage konnte erfolgreich in nur kurzer Zeit abgewendet werden.

Nach getaner Arbeit forderte der Rattenfänger nun seinen wohlverdienten und vorab vereinbarten Lohn ein. Jedoch hielten sich die einflussreichen Kaufleute und Adelsherren nicht an ihre Vereinbarung, lachten den Rattenfänger nur aus und jagten ihn mit Schimpf und Schande aus der Stadt. Dieser sann seinerseits auf Rache.

Kurze Zeit später, der Sage nach am 24. Juni, dem Tage Johannes dem Täufers, erklang morgens früh um sieben Uhr erneut eine zauberhafte Melodie seines Instrumentes, als der geprellte Rattenfänger wieder durch die Gassen zog. Doch nun folgten ihm keine Ratten und Mäuse, sondern alle Jungen und Mädchen der Stadt ab dem 4. Lebensjahr. Darunter auch die jugendliche Tochter des Bürgermeisters, der hauptsächlich dafür verantwortlich war, dass der Rattenfänger seinen Lohn nicht erhalten hatte. Fasziniert von der geheimnisvollen Melodie zogen die Kinder singend und tanzend mit dem Fremden über die Stadtmauern und einem naheliegenden Berg hinaus in die Ferne. Wie einst die Ratten.

Ein Kindermädchen, welches mit einem Kind auf dem Arm das Geschehen verfolgte, konnte später darüber berichten, genauso wie zwei der 130 Kinder, die dem Spielmann zwar gefolgt waren, aber zurückgeblieben waren. Natürlich machten sich die verzweifelten Eltern sofort auf die Suche nach ihren Kindern. Sie ließen auch Boote zu Wasser, konnten aber niemanden mehr finden. Die Buben und Mädel waren und bleiben verschwunden. Die geizigen Bürger haben somit ihre Kinder nie wiedergesehen. Als Strafe für ihr niederträchtiges Verhalten und als Mahnung an alle, es ihnen nicht gleichzutun.

Der Weg des Rattenfängers zum Tor hinaus wurde später die stille Straße genannt, auf der lange Zeit des Gedenkens wegen das Musizieren und Singen verboten war. Der Poppenberg, über den der Spielmannszug letztendlich verschwand, zierte später zwei Gedenksteine links und rechts des Weges, welche jeweils die Form eines Kreuzes aufwiesen und an das traurige Geschehen erinnerte.

Das Rattenfängerhaus in Hameln

Ein berühmtes Bauwerk, welches derzeit weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt ist, ist das Rattenfängerhaus in Hameln. Es wurde im Jahr 1602 oder 1603 im Auftrag des einflussreichen Hamelner Ratsherren Hermann Arendes errichtet und zählt damit heute zu den prächtigsten Bauten der Weserrenaissance des Mittelalters. Es liegt genau an dem Wege, dem der Sage der Gebrüder Grimm zufolge der Rattenfänger bei seinem Spielmannszug mit samt den Kindern aus der Stadt herausnahm.

Seit ungefähr dem Jahre 1900 wurde das Haus daher benannt nach dem Helden der berühmten Sage der Gebrüder Grimm, dem Rattenfänger von Hameln, dem dadurch ein Denkmal gesetzt wurde.

Die aktuelle Nutzung des Rattenfängerhauses von Hameln

Seit der Jahrhundertwende um 1900 wird das Gebäude das Rattenfängerhaus genannt. Leicht zu erkennen ist das monumentale Gebäude an seiner Inschrift an den Balken, die von der Bungelosenstraße (Trommellose oder stille Straße) zu sehen sind. Darauf steht:

Zitat laut Wikipedia in modernem Deutsch:

„IM JAHRE 1284 AM TAGE VON JOHANNES UND PAUL – WAR DER 26. JUNI – (WURDEN) DURCH EINEN BUNT GEKLEIDETEN PFEIFER 130 IN HAMELN GEBORENE KINDER ENTFÜHRT (VERLEITET) – (GINGEN) AM KALVARIENBERG BEIM KOPPEN VERLOREN.“

Heute beinhaltet das Rattenfängerhaus von Hameln ebenerdig ein Restaurant, welches sowohl für den einfachen, als auch den gehobenen Gaumen ausgelegt ist. Die zahlreichen und lecker schmeckenden Speisen werden in der Preiskategorie von 20 bis 40 Euro angeboten. In den online Bewertungen der Kunden wird fast überwiegend positiv über das Ambiente, das Angebot und den Service geurteilt.

Die Ausstattung ist gelungen rustikal und entspricht im Ganzen perfekt dem Thema des Hauses. Viele großflächige Wandmalereien führen den Besucher zurück in die Zeit des Mittelalters und in eine für uns mystische und geheimnisvolle Zeit. Das schöne alte Fachwerkhaus bietet ein angenehmes und stilvolles Ambiente, welches in unserer hektischen Zeit zum Verweilen und Genießen einlädt.

Die Stadt Hameln als Ausflugsziel

Natürlich gibt es weitaus mehr zu entdecken, als die wunderschöne Altstadt mit ihren imposanten Bauten aus der Weserrenaissance. Besonders die beeindruckende Natur in der Umgebung lädt jedes Jahr viele Besucher ein. Outdoor Aktivitäten wie Wandern, Radfahren oder im Winter Skifahren und Rodeln bringen eine gelungene Abwechslung in den hektischen Alltag.

Jedoch auch in der Stadt selbst gibt es viel zu erleben.

Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps können mittels einer geführten Stadtführung erkundet werden. Hier erfährt der interessierte Besucher alles über die Entstehung und die Geschichte der Stadt Hameln. Wer sich alleine auf den Weg macht, kann allerorts die Spuren der Vergangenheit finden. Bequemes Schuhwerk sind von Vorteil, wenn man auf den Spuren des Rattenfängers von Hameln wandelt.

Natürlich kann eine Stadtführung stilgerecht durch einen Guide in der traditionellen Tracht des Rattenfängers erfolgen. Wer die geheimnisvolle Atmosphäre der Nacht bevorzugt, sollte eine Führung eines als Nachtwächter verkleideten Führers buchen. Gepaart mit der Stille und den verlassenen Gassen wird man in die Vergangenheit katapultiert.

Die Führungen können national oder auf Wunsch auch mit mehrspracheigen internationalen Guides durchgeführt werden. Für die Sportlichen bietet sich eine Tour mit dem Elektroroller an.

Auf individuellen Erlebnistouren für Gruppen können den Anekdoten des Stadtschreibers, aus der Zeit des Mittelalters und der Renaissance oder der Rattentour in Form einer Polonaise gelauscht werden. Aber auch das leibliche Wohl kommt nicht zu kurz bei Touren mit dem Thema: „Kaffee, Kuchen und Köstlichkeiten“ oder „Markt und Gaumenfreuden“.

Hameln und seine Umgebung bieten eine Vielzahl an unterschiedlichen Laufstrecken zum Spazierengehen, Joggen oder Walken. Da auch immer wieder Plätze zum Verweilen einladen, eignen sich viele Wege auch für ältere Semester oder Familien mit kleinen Kindern. Im Internet können die einzelnen Routen aufgerufen werden.

Sehr beliebt ist der Rattenfänger-Panoramaweg, welcher gute 2 km lang ist und auch für Anfänger geeignet ist.

Wer sich in seinem Urlaub weiterbilden möchte, sollte eines der zahlreichen Museen der Stadt und seiner Umgebung aufsuchen. Auch diese Standorte sowie die Öffnungszeiten und Eintrittspreise können online erfragt werden.

  • Sehenswert ist zum Beispiel das Dorfmuseum Tündern in der Lange Straße in Hameln, in dem zahlreiche Veranstaltungen für Groß und Klein stattfinden.
  • Besucht werden kann auch die Glaserei sowie der Metallkonstruktions-Hersteller mit anliegendem Museum. In ihm werden alte und neue Stücke zur Schau gestellt. Das Museum befindet sich in der Prinzenstraße.

Man sieht: Hameln und seine zauberhafte und naturbelassene Umgebung ist immer eine Reise wert.